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Willkommen bei den GRÜNHELMEN,

Peter Scholl-Latour


Zum ersten Mal hatten wir eine fast privat-humanitäre Begegnung mit Peter Scholl Latour. Es war 1976 – Christel Neudeck und ich waren in der schönsten und mir liebsten Stadt Europas, na klar: Paris! Und wir sassen, was wir uns in diesem Winter gar nicht mehr vorstellen können, bei strahlender Sonne in einem dieser Straßencafes auf den „Champs Elysees“, auf den Elysischen Feldern. Christel wollte gerade zahlen, l’addition s’il Vous plait, greift hinter die Armlehne des Stuhls – Zack, die Tasche ist weg. Mit allem, was uns als Bürger der Bundesrepublik Deutschland auszeichnete – noch vor dem Schengen-Europa. Pass, Personalausweis, Kreditkarte, Führerschein und – GELD!
Und da sie immer bis heute bei den Grünhelmen den Finger auf dem Geld hat, waren wir jetzt total pleite. Wir konnten nicht mal die Metro bezahlen, um zur Deutschen Botschaft zu fahren wegen eines Ersatzpasses.
Da zogen wir sofort los in das Büro des ZDF, das damals noch auf den Champs Elysees lag und meldeten uns bei Peter Scholl-Latour, den ich von einigen Interviews kannte. Er zückte sein Portemonnaie und wir waren erst mal gesichert.
Wir sind ihm viele Male in diesem großen spannenden Reporterleben begegnet. Er war einer der besten Vietnam-Indochina Experten. Sein Buch über das Ende Süd-Vietnams “Der Tod im Reisfeld“ wurde später weltberühmt. Er hielt zu den Rettungsaktionen der Cap Anamur und legte sich dafür mit Ministerpräsidenten an. Bis an 5 Mio Vietnamesen wären verfemt und ausgegrenzt aus der Bürgerschaft, weil sie Kontakt zu dem Teufel in Gestalt nicht nur der US-Armee, sondern auch des Goethe Instituts in Saigon der deutschen Bundesrepublik hatten.
Immer wieder kreuzten sich die Wege. Er war einer der kenntnisreichsten Globalisten unter der schreibenden und sendenden Journalisten-Zunft. Und – ich habe es selbst erlebt – ein unglaublich fleißiger Mensch. Bevor er sich auf eine Reportage Reise begab, las er alles, was er sich an Fachlektüre zusammenholen konnte.
Besonders begehrt war Scholl-Latour neben Süd-Ostasien für seine fulminante Kenntnis Afrikas, wohin er schon als junger Reporter der Saarbrücker Zeitung, dann des WDR, dann des ZDF immer wieder hingezogen ist. „Mord am großen Strom. Ein Vierteljahrhundert afrikanischer Unabhängigkeit“ erschien 1986 und war die erste große die Ereignisse in den verschiedenen Regionen und Kulturgegenden Afrikas zusammenbindende Analyse. Das wurde später durch die „Afrikanische Totenklage“ ergänzt (München 2001). Er ging immer wieder selbst in die Brennpunkte und Katastrophenfelder. Nie hat er allein vom Hörensagen gelebt.
Das dritte große Feld – die Kenntnis des Islam – wurde ihm erleichtert durch seinen Lernaufenthalt im Libanon, bei dem er soviel Arabisch lernen konnte, dass man noch heute den angerauhten arabischen Tonfall heraushört, wenn er arabische Worte, Sätze, idiomatische Redewendungen wiedergibt. Seine gute Kenntnis islamischer Glaubenshaltungen wurde ihm erleichtert dadurch, dass für ihn nicht das gilt, was Henry Ford von der Geschichte gesagt hat: Religion is mainly bunk. Religion ist in der Hauptsache Humbug. Er ist ein europäischer Christ und Katholik, geboren in Bochum, lange Zeit zwischen den Deutschen und den Franzosen aufgewachsen im Saarland.
Kürzlich konnte ich ihm noch mal helfen mit einer Kleinigkeit. Er erwähnte bei einer Sitzung der Deutsch-Arabischen Gesellschaft und einem anschließenden Abendessen in Bonn, er würde noch drei Länder von den 192 nicht persönlich besucht haben, die in der UNO sind. Darunter Ost-Timor. Dorthin wollte er nun fliegen hatte aber noch kein Hotel genannt bekommen. Das konnte ich ihm besorgen.
Sein Charakterbild wurde in der Öffentlichkeit oft von Neid angefochten. Es gibt diese individua professionalis (Berufsneid). Er ist ein begehrter Gesprächspartner für die Politik, die Abgeordneten und die Medien.
Wir haben ihn für unser Kuratorium als Berater gewonnen – und freuen uns darüber. Willkommen bei den Grünhelmen, Prof. Peter Scholl-Latour.

Rupert Neudeck






Neue Termine
- 17/12/2011 16:30Uhr - Afghanistan Konferenz: Übergabe in Verantwortung
- 05/12/2011 19:00Uhr - Vortrag: „Am Rande. Orte an der Peripherie erlebt, beobachtet, berichtet“
- 25/11/2011 19:00Uhr - Vortrag: „Bauingenieure und Architekten als Wiederaufbauhelder in Afrika und Asien“

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