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Fast wie auf einer deutschen Baustelle, Richtfest und Überstunden

Endspurt bei der Fertigstellung des Gymnasiums in Kasika im Kongo

Richtfest auf dem ersten Schulgebäude Ausmauern der Giebelwände Karl Bogdanow beim Abbinden des Dachstuhles Max Werlein und Karl Bogdanow im Gespräch mit Leherern und Eltern Dienstag, 01.12.2009

Eigentlich läuft es fast wie auf einer deutschen Baustelle, an jeder Ecke wird gehämmert, gesägt oder gemauert. Die Bauleiter laufen aufgeregt über die Baustelle, lösen die letzten technischen Fragen und sehen zu, dass die Arbeiter trotz vieler Überstunden und einer Siebentagewoche bei der Stange bleiben! Wie auf einer deutschen Baustelle muss alles klappen, denn wir haben noch drei Wochen bis zur Eröffnung des Gymnasiums in Kasika.
Und doch ist das kleine Wörtchen FAST in der demokratischen Republik Kongo sehr groß, so groß wie die großen Worte DEMOKRATISCHE REPUBLIK klein sind.
Denn hier im Süd Kivu läuft doch vieles anders und schwieriger als auf anderen Baustellen, auch wenn wir nach gerade einmal fünf Monaten Bauzeit jetzt in der Fertigstellung liegen.

In den Bergen vom Süd Kivu herrscht gerade Regenzeit und es kommt vor, dass der Himmel seine Pforten öffnet und tankweise den Regen herauslässt, so dass wir für Stunden die Arbeit unterbrechen mussten. Doch dank der deutschen Zimmerer-Kunst und der kongolesischen Arbeitskraft - denn einen Kran gibt es nicht - konnten wir vor zwei Wochen das Richtfest feiern und die Dächer auf unseren drei Gebäuden sind regen- und sturmfest. So können wir jetzt mit Hochdruck und 70 Arbeitern trotz Regen den Innenausbau fertig stellen. Es sind noch die Innenwände fertig zu putzen, die Fußböden zu betonieren und die Zwischendecken einzuziehen.

Die letzen Arbeiten, Streichen, Außengelände inklusive Basketballfeld werden von unserem Alt-Jung-Team (Max Werlein 26 Jahre und Karl Bogdanow 68 Jahre) zusammen mit den Lehrern und Schülern des Gymnasium in den letzten zwei Wochen durchgeführt. Unser Team hat die Bauleitung inne, ist aber auch gleichzeitig Sanitäter, Einkäufer und Ausbilder, so arbeiten Karl Bogdanow und Max Werlein mit und sind sich auch für die schwere Arbeit nicht zu fein, auch das ist nicht ganz so wie auf einer deutschen Baustelle.

Es wäre ebenfalls undenkbar, dass in Deutschland die Bevölkerung durch ihre eigene „Schutzmacht“ von der Arbeit abgehalten wird, so aber im Kongo.
Eines Morgens kamen nur sechs Arbeiter auf die Baustelle, von dem Rest war nichts zu sehen. Kurz darauf kam ein Junge angelaufen und berichtete, dass auf der Hauptstraße eine Militärsperre unser Arbeiter aufhalten würde. Als wir dort ankamen, fanden wir zwei bewaffnete und volltrunkene Soldaten vor. Erst verweigerten sie uns jede Antwort auf die Frage, was das denn zu bedeuten hätte, aber nach einer Weile teilten sie uns mit, das sie den Befehl hätten Arbeiter für die Arbeit im Militärcamp zu besorgen. Bei unserer späteren Beschwerde im Militärcamp stellte sich heraus, dass Arbeiter gesucht wurden, um für den Mayor ein Zelt aufzubauen und Soldaten des Kongos können das natürlich nicht selber machen.
Auch wenn die Episode für uns Europäer eher lächerlich erscheint, ist es doch unfassbar, wie die Armee eines Landes mit seiner eigenen Bevölkerung umgeht. Es werden die Häuser von der Bevölkerung in Beschlag genommen, es kommt vor, dass nachts das Militär auf der Baustelle erscheint um zu sehen was Sie mitnehmen können. Oder Sie wollen sich in der Pfarrei einquartieren. Es gibt keinen Respekt vor dem „kleinen und einfachen Menschen“. Das mögen vielleicht noch Überbleibsel einer mehrere Jahrzehnte andauernden Anarchie unter Mobutu oder der belgischen Kolonialzeit sein, das darf aber niemals etwas von der Ungerechtigkeit entschuldigen und wenn sich an solchen Tatsachen nichts ändert, wird sich der reiche Kongo nie entwickeln können.
Der Vize Gouverneur des Süd Kivu, Jean Claude Kibala, hat sofort auf unsere Nachricht mit einer Anweisung an das örtliche Militär reagiert und ausdrücklich dem Militär solche AKTIVITÄTEN untersagt. Uns hat er gezeigt, dass wenn der politische Wille da ist, man auch im Kongo etwas verändern kann. Es ist nur zu hoffen, dass es mehr Jean Claudes im Kongo geben wird. Und dass er einen sehr langen Atem hat.

Wenn es so ist, werden wir als Grünhelme auch den langen Atem haben und mit der Unterstützung der deutschen Bevölkerung weiter Schülen im Kongo bauen können. Wir werden nach der Eröffnung am 16. Dezember einen neuen Platz in dieser verrückten und doch wunderschönen Berglandschaft des Süd Kivu, in der nicht alles so läuft wie auf deutschen Baustellen, suchen.

Und noch etwas ist anders als auf deutschen Baustellen: Im Kongo lachen die Kinder und auch die Arbeiter freuen sich trotz ihrer Lebenssituation, Überstunden und trotz Bauleiter. Und das ist das, was uns weiter machen lässt!

Thomas Just
Kasika






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