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Kasika, das größte Dorf Afrikas

Über das Gymnasium der Grünhelme, das wir im Süd-Kivu aufbauen

Tanja Nopens mit Ihren Arbeitern Baustelle in Kasika Max Werlein an der Arbeit Die Gruenhelme Fussballmanschaft Dienstag, 13.10.2009

Anfang Juli 2009 habe ich mich aufgemacht, mit dem ‚Auftrag‘ zusammen mit Fabien Sachse, einem Schreiner aus Süddeutschland, in Kasika, einem kleinen (oder vielleicht auch nicht so kleinen Dorf - wie ich später erfahren soll ist Kasika nämlich das größte Dorf Afrikas) –inmitten des kongolesischen Bergregenwaldes in der Provinz Süd-Kivu eine Schule zu bauen. Drei Monate sind nicht sehr viel und doch ist es erstaunlich, wie viel in dieser Zeit passiert ist – und wie schnell sie vergangen ist.
Natürlich hatte ich in den Medien über die Unruhen im Süd-Kivu gehört, aber nach zwischenzeitlichen 2 Tagen voller Sorgen und Zweifel und einer beruhigenden Email von Christel Neudeck, habe ich beschlossen all das zu ignorieren und mich auf das einzulassen, was da kommen möge.
Schon an der Grenze von Rwanda zum Kongo habe ich dann meine ersten Erfahrungen damit gemacht, dass viele Dinge in Afrika anders laufen als zu Hause und es das Beste ist, die Dinge einfach passieren zu lassen.
Eine Schule im Kongo zu bauen, ist ein kommunikatives, logistisches und soziales Abenteuer. Wobei das schon wilder klingt als es ist. Aber man muss sich schon auf vieles einlassen.
Extrem hilfreich für das Projekt war, dass wir so gut untergebracht waren. Wir haben mit den Priestern der Gemeinde zusammen gewohnt und gegessen und hatten dadurch einen einfachen Zugang zu den Menschen. Wir wussten, dass grundsätzlich immer jemand da ist, auf dessen Hilfe man vertrauen kann. Bis auf einige Ausnahmen war es fast immer so, dass wir auf Menschen getroffen sind, die uns unterstützt und geholfen haben. Angefangen von den Priestern, über Frank von Cap Anamur, der uns viele wertvolle Tipps und Kontakte vermittelt hat, bis zu unseren eigenen Arbeitern.
Zu Anfang fand ich mich noch einer ganzen Gruppe von mehr als 30 irgendwie ähnlich aussehenden Arbeitern (und Arbeiterinnen, wir hatten die meiste Zeit über etwa 5 Frauen auf der Baustelle) gegenüber, mit Namen, die ich weder aussprechen, geschweige denn erinnern konnte. Am Ende waren wir ein gut eingespieltes Team, zeitweise mit mehr als 50 Arbeitern, von denen man nicht nur die Namen kennt, sondern die man fast alle mit ihren Eigenarten kennen- und lieben gelernt hat. Ich kann es wirklich nicht anders sagen.
Für mich war es so, dass das Kennenlernen der Menschen und der Kultur das Spannendste an dem Projekt war, abgesehen von der Tatsache, dass die Mischung aus planerischer, organisatorischer und körperlicher, bzw. handwerklicher Arbeit für mich eine wunderbar ausgewogene Mischung darstellte. Auf der Baustelle heißt das vor allem das Umsetzen der Pläne in gebaute Form, sprich Schnüre spannen für Fundamente, Mauern, Terrassen, etc. , die Koordination der Arbeiter, aber auch selbst mit anzupacken beim Mauern, beim Graben oder beim Zementmischen. Eine kleine Herausforderung hierbei stellt die Tatsache dar, dass die wenigsten Arbeiter eine handwerkliche Ausbildung haben, und selbst wenn sie diese haben, die Maßstäbe an eine saubere Arbeit doch andere sind als bei uns. Wir haben im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von Arbeitern zu Maurern „ausgebildet“. Und wenn man es schafft die Arbeit dementsprechend zu verteilen, geht alles plötzlich viel schneller und leichter. So hatten wir zum Ende meines Aufenthaltes eine tolle Atmosphäre auf der Baustelle
Spannend fand ich auch die wechselnde Zusammenarbeit mit meinen deutschen Kollegen - zuerst mit Fabien Sachse, der von einem Grünhelme Projekt aus Uganda „ausgeliehen“ war, um Kasika zu starten. Dann mit Thomas Just, der so etwas wie der CvD der Grünhelme ist, sozusagen der Obergeneralprojektleiter. Zuletzt mit Max Werlein, einem in Afrika geborenen Energieingenieur, der mit seiner offenen und kommunikativen Art besonders dazu beigetragen hat, dass wir uns auch außerhalb der Arbeit noch mehr in das Dorfleben integrieren konnten. So hat Max angefangen abends mit der Dorfmannschaft Fußball zu spielen, was zu zwei offiziellen Fußballturnieren führte - FC Chantier Muzungu vs. FC Kasika (Les Once Stars – die besten Spieler aller Ortsteile). Ein Großereignis für das ganze Dorf das mit ausgelassenen Feierlichkeiten und sogar einer offiziellen On-Air -Meldung beim lokalen Radiosender endete.
Mein persönliches Resümee ist ein rundum positives. Ich habe drei wunderbare Monate mit aufgeschlossenen, gastfreundlichen, direkten und herzlichen Menschen verlebt. Habe dabei viel über mich selbst gelernt – dazu bleibt einem hier in der Hektik des Alltags hier ja oft keine Zeit – habe mich fachlich weiterentwickelt und ganz nebenbei auch noch mein Französisch wieder auf Vordermann gebracht. Nicht zu verachten auch die Tatsache, dass man durchtrainiert und sonnengebräunt, wenn auch etwas erschöpft wieder im Alltag ankommt und vielen staunenden Freunden eine Menge aufregender Geschichten zu berichten hat. Für mich wird es wohl nicht das letzte Projekt dieser Art gewesen sein.

Tanja Nopens






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