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Ein Tag des Dankes an die deutsche Bevölkerung
Vietnamesische Bootsflüchtlinge bedanken sich für die Rettung und Aufnahme in Deutschland - Gedenkstein-Enthüllung in Hamburg an den Landungsbrücken
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Die Medien waren voll von den Krawallen und Ausschreitungen im Hamburger Schanzenviertel im Anschluss an eine NPD Demonstration im Bahnhofsnahen Viertel St. Georg. Ergänzend hätten dieselben Medien mit einer sensationell guten Nachricht aufwarten können: Die Vietnamesen in Deutschland bedankten sich am 12. September um 13 Uhr mit der Enthüllung eines Gedenksteines für die Rettung aus dem Süd-Chinesischen Meer. Sie bedankten sich ganz ausdrücklich bei der Deutschen Bevölkerung und bei der deutschen Regierung. Die Cap Anamur war am 9. August 1979 aus dem japanischen Hafen Kobe ausgelaufen zu ihren ersten Rettungsfahrten.
Nun wollten die Vietnamesen, die mittlerweile schon als die bestintegrierte ausländische Gruppe deutscher Neubürger gelten, das 30jährige verbinden mit einem ausdrücklichen Dank an die deutsche Bevölkerung, die seinerzeit im Juli 1979 mit einer ersten großen und immer weitergehenden Spenden (insgesamt am Ende 29 Mio DM) das Schiff möglich gemach hatte.
1200 Vietnamesen waren erschienen und bei strahlendem Wetter wurde genau an dem Ort, an dem damals die Cap Anamur zurück in Hamburg anlegen konnte, der Gedenkstein enthüllt.
Zur großen Freude der Vietnamesen und der Deutschen hatten sich mehrere Repräsentanten der Politik aus dem Wahlkampf für zwei Stunden befreit und waren nach Hamburg gekommen. Der Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble war „gerne“ gekommen, wie er uns geschrieben hatte. Ebenso spontan und sofort eindeutig hatte der SPD Vorsitzende Franz Müntefering sich nach Hamburg ausgemacht. Anwesen waren auch der Stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister der Niedersächsischen Landesregierung, Dr. Philipp Rösler, der mit besonders großem Applaus begrüßt wurde, wissen die Anwesenden ja, dass Roesler als 3 jähriges Kind aus Vietnam von einer deutschen Familie adoptiert wurde. Anwesend der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion, Arnold Vaatz, und der Justizminister des Landes Rheinland Pfalz Bamberger, die Senatorin Prof. von Welck, sowie Freimut Duve, ehemals Beauftragter für die Freiheit der Medien der OSZE.
Der Höhepunkt der Veranstaltung waren neben den kurzen Reden der deutschen Politiker die Rede des Vietnamesen Thomas Huu Nguyen und einer jungen Vietnamesin (siehe Link unten).
Alles wurde noch gesteigert durch das Absingen der deutschen Nationalhymne durch die anwesenden 1200 Vietnamesen. Das hat die deutsche Öffentlichkeit wohl noch nicht erlebt, ein so wunderbarer und feierlicher und fröhlicher Moment.
Wer nun aber meinen würde, es würden neuen deutschen Bürgern leicht gemacht, wenn sie sich bei den Deutschen bedanken wollen, der ist nicht gut informiert. Der Hamburger Senat hatte vor drei Jahren den Plan dieses Gedenksteins an den Landungsbrücken für völlig deplaziert und nicht möglich erklärt. Auf den ersten Brief mit der Ankündigung dieser Gedenkdemonstration reagierte der Senat der Freuen und Hansestadt Hamburg mit einem Brief: Es würde nicht angehen, an den Landungsbrücken einen solchen Gedenkstein zu platzieren, „weil es dort schon zwei Gedenktafeln gäbe, die mit ihrem Bezug zu jüdischen Flüchtlingen einen klaren Anknüpfungspunkt zur deutschen Geschichte haben und auch deutsche Schuld reflektieren“. Wenn man jetzt dort die geplante Gedenktafel für die vietnamesischen Bootsflüchtlinge anbringe, „könnte das als Versuch einer Relativierung der Judenverfolgung in Deutschland und des Holocaust empfunden werden.“Deshalb wurde den Vietnamesen am 8. März 2006 gesagt, das Anliegen, diesen Gedenkstein zu setzen, könne man nach eingehender Abwägung nicht unterstützen.
Es war gar nicht so einfach, den Senat von einer so hanebüchenen Idee abzubringen. Es schein fast so, als wolle der Senat sagen: Neben der deutschen Schuld und Schande darf für die künftigen Generationen der Deutschen nichts anderes in Erinnerung bleiben als diese Reflexion deutscher Schuldgeschichte. Dass aber diese große Leistung der deutschen Bevölkerung, sich nicht irritieren zu lassen und die Rettung von Menschenleben zu ermöglichen, gerade neben diese Erinnerung an deutsche Geschichte unweigerlich gehört, hatte der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg vergessen.
Es gab bis zum Schluß immer wieder Versuche, den Organisatoren dieser Feier das Leben schwer zu machen. Der Gedenkstein durfte nicht einen Zentimeter größer sein als der Gedenkstein, der an deutsche Schuld erinnert. Als alles schon fertig war, gab es Einreden der Botschaft der Volksrepublik Vietnam.
Daraufhin sollten einige Passagen aus dem Gedenksteintext geändert werden. Die Vietnamesen sollten nicht mehr „vor den KOMMUNISTEN“, sondern einfach nur auf der Flucht vor niemandem gewesen sein. Und man bat sie sogar, sich auf dem Gedenkstein nicht mehr als „Flüchtlinge“, sondern nur noch als „Menschen“ wiederzufinden.
Das wurde dann dem CDU Abgeordneten Arnold Vaatz zu viel Er schrieb dem Ersten Bürgermeister von Hamburg, Ole von Beust: „Ich bitte Sie, diesen dreisten Zensurversuch Ihrer Behörde zurückzunehmen. Ich halte es für unerträglich, wenn in der Stadt Hamburg weltweit bekannt für Freiheitsliebe, Toleranz und Menschenwürde - ein Klima der Katzbuckelei vor menschenverachtenden Ideologien einziehen sollte, in der man Täter und ihre Verbrechen nicht mehr beim Namen nennen darf“.
Die Vietnamesische Botschaft versuchte es noch einmal bei dem Landesminister Dr. Philipp Roesler. Dem wurde bedeutet, dass es besser für eine bevorstehende Reise nach Vietnam wäre, wenn er zu der Enthüllung des Gedenksteins nicht erscheinen würde. Roesler sagte natürlich seine Teilnahme nicht ab.
Die Veranstaltung war ein lebendiger Beweis dafür, was die deutsche Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten alles gelernt und geleistet hat. Die Aufnahme und die gelungene Integration der Vietnamesen stellt einen schönen Beweis dar für das ganz andere und neue Deutschland. Es hat Menschen bei sich aufgenommen, die jetzt davon sprechen, dass sie auch mit dem Herzen deutsche Bürger geworden sind. Das Absingen der deutschen Nationalhymne war nur der schönste Ausdruck dafür.
Rupert Neudeck
Weiterführende Links:
-Rede von Truc Pham anlässlich der Gedenkstein-Enthüllung in Hamburg
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Nelson Mandela:
Wer Haß spürt,
kann nicht frei sein.
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Eröffnung der 20. GRUENHELME Schule in Drahttut in West-Afghanistan
Die 18. Schule in Malume / Afghanistan eröffnet
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