|
Spendenkonto
Grünhelme e.V.
Kto-Nr: 2000008
BLZ: 70070024
Deutsche Bank München
oder
Grünhelme e.V.
Kto-Nr: 1070000
BLZ: 43060967
GLS Gemeinschaftsbank eG
|
|
Ein Palästinenser weint über die Beleidigung eines Juden
Zu der Friedenswoche und Pfarrer Jadallah Shehadeh
|
|
|
|
Es war eine pralle Woche der wunderbaren Begegnungen und Erfahrungen an einem privilegierten Ort hinter der Mauer. Ja, die ganze Zeit über konnten wir nicht vergessen, dass man sich aus diesem Beit Jala (fast ein Vorort von Bethlehem) wie aus der ganzen Westbank nicht wirklich bewegen kann. Der einzige Bus Nr. 21 nach Jerusalem ist nur für ganz wenige offen, die eine Zugangserlaubnis für ihre eigene Hauptstadt haben.
Aber es war trotzdem unter Leitung des Pfarrers Jadallah Shehadeh eine wunderbare Friedenswoche (6. bis 10. 7.2009) geworden, zu der an die 50 an Versöhnung und an dem Ende der Besatzung in Palästina Interessiert aus Deutschland gekommen waren.
Wir konnten den evangelisch-lutheranischen Pfarrer Jadallah Shehadeh bewundern, der polyglott, gewandt, fröhlich und aufmerksam stets über alles seine ordnende Hand hielt. Er spricht wunderbar deutsch, hat seine Studien und Wanderjahre in Deutschland erlebt, ist mit einer Deutschen verheiratet. Wir hatten mehrere Höhepunkte, die z.T. auch riskant hätten ausgehen können, denn das israelische Militär fackelt nicht lange, wenn da ein Stein fliegt. Am ersten Tag die wunderbare, zu Tränen uns rührende Begegnung an einem auf beiden Seiten gleichen Gefängniszaun. Die Begegnung ließ die Königskinder der beiden Nachbarnationen nicht zueinander kommen, dagegen stand der schwere Sicherheitszaun und wird demnächst die noch viel massivere Mauer gebaut. Wir konnten uns durch die Gitterstäbe nur die gegenseitigen symbolischen Geschenke zureichen und die Hände geben.
Es gab am folgenden Tag einen wirklich ökumenischen Gottesdienst, bei dem Christen, Juden und Muslime zusammen gesungen und um den Frieden und ein Ende der Besatzung gebetet haben. Die junge Rabbinerin Sarra Lew hielt eine den Tagen und der verfahrenen Ausweglosigkeit zwischen Israel und Palästina angemessene Predigt, in dem sie betonte: „Jeden Tag hört man von palästinensischem Land, das von Israelis genommen wird. Jeden Tag hört man, dass Israelis den Palästinensern das Leben erschweren, und Palästinenser den Israelis. Sind wir nicht alle – Juden, Muslime, Christen, Palästinenser, Israelis, Amerikaner und Deutsche – jener Sünden schuldig, von denen der Prophet Micha erzählt? Wir behandeln das Land wie einen Gott. Wir kümmern uns mehr um das Land als um uns gegenseitig“.
Am dritten Tag gab es als Höhepunkt eine wirklich machtvolle Demonstration des zivilen Palästina. Solche eine Demonstration hat man hier noch nicht erlebt.
Demonstrationen in Palästina hatten oft so etwas militaristisch Aufgemotztes mit vielen Waffenträgern mit wildem in die Luft Schießen.
Hier gab es am 9. Juli die Demonstration des zivilen Palästina mit den Anführern der Religionsgemeinschaften an der Spitze. Der Großmufti von Hebron hatte uns am Abend vorher versprochen, zu der Demonstration zu kommen nach Beit Jala und er war da mit 6 oder 7 Kollegen. Der evangelisch lutheranische Bischof Mounieb Younan war dabei, ein griechisch orthodoxer Priester, der Rabbi Arik Ascherman als Vertreter der Friedens-Bewegung „Rabbis for Peace“ in Israel, die alle den Demonstrationszug eröffneten mitsamt lauter und fröhlicher Trommel- und Fanfaren Gruppen der verschiedenen Pfadfinderverbände. Es gab zu lange Reden der religiösen Großrepräsentanten, aber es waren alles Zivilisten, Menschen, die für Recht und Gerechtigkeit einstanden. Und es kam als Vertreter der deutschen Gruppe der Oberbürgermeister der Großstadt Jena, Dr. Albrecht Schroeter, der den Start einer zweiten Partnerschaft einer deutschen Gemeinde mit einer in Palästina ankündigte: Die erste wurde zwischen Köln und Bethlehem vereinbart und lebt. Die zweite wird sich jetzt zwischen Jena und Beit Jala entwickeln. Die fünf Jahre auf dieses Ereignis sich vorbereitende Stadt Bergisch Gladbach hat jetzt gegenüber der ostdeutschen Stadt Jena und dem jungen agilen OB von Jena das Nachsehen.
Wir saßen am späteren Abend zur Schlußbesprechung noch einmal zusammen im haus mit dem schönen Programm Namen: Beit Ibrahim oder deutsch: Abrahams Herberge. Manöverkritik gab es, wie man den Palästinensern weiterhelfen könne. Wie man politisch einer Politik der Regierung Israels beikommt, die entgegen einer ausdrückliche Mahnung von US-Präsident Barack Obama den Siedlungsbau ungehemmt Tag und Nacht fortsetzt.
Doch dann berichtete Pfarrer Jadallah über die Kundgebung. Er sagte, es sei ein Jude, der Rabbiner Arik Aschermann, beleidigt worden. Er fügte mit klarer Stimme hinzu: „An meinem Ort wird kein Jude beleidigt“, und fing an zu weinen. Der starke Mann und Pfarrer musste von den Umsitzenden getröstet werden. Die Runde sang das wunderschöne jüdische Friedenslied „Shalom“. Ein bewegender Moment. Eine bewegende Szene. Ein Palästinenser, der Pfarrer in Beit Jala Jadallah Shehade, weint, weil ein Jude in seiner Gemeinde beleidigt worden ist.
Das ist danach einfacher zu erzählen, weil uns Rabbi Aschermann gesagt /gemailt hat, dass der gar nicht beleidigt wurde. Er ist von der Veranstaltung weggegangen, weil sie zu lang war, weil er nicht arabisch genug kann und – fügte er in seinem mail schelmisch hinzu – weil es zu heiß war.
Die Römer sagten. Es hilft sich daran zurückzuerinnern. (Hoc meminisse iuvabit). Daran an das Weinen des Pfarrers Jadallah Shehade sich zu erinnern wird uns helfen in der Gegenwart und der Vergangenheit.
Rupert Neudeck
|
|
|
Nelson Mandela:
Wer Haß spürt,
kann nicht frei sein.
|
Bombardierungen und Nothilfe - Pakistan gerät in eine schwierige Menschenrechtslage
Eröffnung der 20. GRUENHELME Schule in Drahttut in West-Afghanistan
|
|
|
|