Wer sind wir?

Projekte

Bewerben

Spenden

Kuratorium

Newsarchiv

Newsletter

Kontakt

Spendenkonto

Grünhelme e.V.
Kto-Nr: 2000008
BLZ: 70070024
Deutsche Bank München

oder

Grünhelme e.V.
Kto-Nr: 1070000
BLZ: 43060967
GLS Gemeinschaftsbank eG

  


  


  


  





Dass wir aus Zerstörung HOFFNUNG machen müssen!

Predigt der Rabbinerin Sarah Lev zu Micha, 1, 1-5

Donnerstag, 16.07.2009

Vorgetragen am 8. Juli während der Friedenswoche in der Kirche der Abrahams Herberge

Vor fast acht Jahren stürzten in New York zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers. Ich war zu der Zeit nur zwei Stunden davon entfernt in Philadelphia, aber ich kann mich noch an alles erinnern. Die Gesichter der Menschen auf der Straße, die Angst derer, die sich an Ihre Mobiltelefone klammerten und auf ein Lebenszeichen ihrer Angehörigen warteten; die Qual derer, die noch nichts gehört hatten oder die ihre Eltern, Freunde, Geschwister nicht erreichen konnten. Sowohl die Erleichterung auf den Gesicherten derer, die von ihren Angehörigen gehört hatten, die in der Nähe der Katastrophe waren, als auch das Entsetzen in der Gesichtern derjenigen, die schreckliche Nachrichten bekamen.
Diese Erfahrung kam mir seltsam bekann vor. Ich kannte dieses Gefühl aus Jerusalem Beit Jala, Salfit. Ich kannte die Nachricht einer Bombe in Jerusalem oder eines bombardierten Hauses in Beit Jala genau so wie die Gesichter jener, die auf Nachricht ihrer Angehörigen im Libanon warten.
An diesem Tag dachte ich mir, dass so etwas überall passiert. Dass es sich wieder und wieder von neuem ereignet die Gesichtseindrücke sind dieselbe, Sie Erschütterung. Ist dieselbe,
Das Hören., das Nicht Hören, das Warten.
Das Buch des Propheten Micha beginnt damit, dass Gott die Israeliten in Wut anschreit. Micha fragt: „Was ist aber die Übertretung Jakobs? Ist’s nicht Samaria? Was sind aber die Opferhöhen Judas? Ist’s nicht Jerusalem?“ (Micha 1,5)

Gott ist wütend auf die Israeliten, weil sie – anstatt dem richtigen Gott zu huldigen- falsche Götterbilder verehren.
Aber wenn man sie genauer betrachtet, erzählten uns die Wörter: Dass die Sünde selbst Samaria und Jerusalem waren. Vielleicht war die Sünde selbst dass die Leute das Land wie einen Gott behandelt haben. Was sind aber die Opferhöhen Judas? fragte Micha. „Ist’s nicht Jerusalem?“
Und: weh denen, die Schaden zu tun trachten und gehen mit bösen Gedanken um auf ihrem Lager, dass sie es frühe, wenn’s Licht wird, vollbringen, wenn sie Macht haben! Sie reißen Äcker an sich und nehmen Häuser, wenn sie es gelüstet. So treiben sie Gewalt mit eines jeden Haus und mit eines jeden Erbe“ (Micha 2,1-2)
Was sind die zwei großen Sünden, von denen Micha berichtet?
Zum einen erzählt er von der SÜNDE, das LAND als GOTT zu verehren und
Zum anderen von der Versündigung, andere Leute falsch zu behandeln, sie zu unterdrücken und ihr Land zu stehlen.
Und hier sind wir, zweitausend Jahre später und haben uns nicht geändert.
Jeden Tag hört man von palästinensischem Land, das von Israelis genommen wird. Jeden Tag hört man, dass Israelis den Palästinensern das Leben erschweren, und Palästinenser den Israelis. Sind nicht wir alle – Juden, Muslime, Christen, Palästinenser, Israelis, Amerikaner – jener Sünden schuldig von denen der Prophet Micha erzählt? Wir behandeln das Land wie einen Gott. Und wir kümmern uns mehr um das Land als um uns gegenseitig.
Ich erinnere mich an einer der Demonstrationen gegen die Mauer, an der ich teilgenommen habe. An diesem Tag kam ein Israeli an der Demo vorbei und find an zu rufen: „Ihr wollte uns alle töten! Ihr seid Verräter! Ihr kümmert Euch nicht einmal um eire eigenen Leute!“ Er betrachtete uns Israelis, sah unsere Zuwendung zu den Palästinensern und erkannte …nur einen Feind.
Dann begann einer der Menschen, die mit mir für den Frieden demonstrierten, den Mann mit Beleidigungen zu überhäufen. Ich fühlte mich augenblicklich entmutigt. Der Demonstrant direkt neben mir betrachtet den schreienden Mann und sah … nur einen Feind.

Und so frage ich mich: wie lernen wir es uns gegenseitig als Freunde zu erkennen, als Personen, für die wir Sorge tragen? Nicht einfach nur als jemandem, mit dem ich tiefgreifend anderer Meinung bin. Wie gehe ich mit jemandem um, der sich von mir größtmöglich unterscheidet…und sehe in ihm eine Person, und NICHT einen FEIND?
Dazu gibt der Prophet Mischa eine Antwort: „In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf das Haus des Herrn ist, feststehen, höher als alle Berge und über die Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen!
Der Berg Gottes ist der Berg, auf dem das Allerheiligste der Juden stand – das Haus Gottes. Es ist der Berg, auf dem zwei der heiligsten muslimischen Heiligtümer heutzutage stehen. Und es ist der Berg, der den Christen heilig ist auf grund der häufigen Erscheinung Jesus’ an diesem ort zu seinen Lebzeiten.
Michas Prophezeiung fährt fort: „Uns sie werden ihre Schwerte zu Pflugscharen machen, und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“
Was müssen wir tun, um unsere Schwerter zu Pflugscharen zu verwandeln? Wir müssen damit aufhören, das Land als Gott zu sehen und damit beginnen, das Land als Platz der gemeinsamen Verehrung Gottes anzuerkennen. Wir müssen damit aufhören, den Berg des Tempels als unseren Besitz zu sehen und damit beginnen, ihn als Platz anzuerkennen, an dem sich verschiedene Völker versammeln. Nur dann werden wir eine Zeit erschaffen, in der „kein Volk wider das andere das Schwert erhebt, sie hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“
Aber diese Zeit wird nicht ohne unsere Hilfe kommen. In Micha’s Vision ist es nicht Gott, der die Schwerter zu Pflugscharen macht, es sind wir, die einen Weg finden müssen, uns gegenseitig zu sehen.
Nur eine Woche, nachdem das World Trade Center eingestürzt ist, erzählte uns der 21jährige Usman Farman, der den Einsturz überlebte, seine Geschichte..
Er erinnere sich: an eine „schwarze Wolke aus Glas und Schutt, etwa 10 Stockwerke hoch stürzte auf uns zu. Ich drehte mich um und rannte so schnell wir möglich. Ich fiel hin bei dem Versuch wegzurennen. Normalerweise trage ich einen Anhänger mit einem arabischen Gebet für Sicherheit um meinen Hals. Ein chassidischer jüdischer Mann kam zu mir und nahm den Anhänger in seine Hand, um ihn zu betrachten. Er las das Arabische laut vor, für eine Sekunde. Was er als nächstes sagte, werde ich nie vergessen. Mit einem starken Akzent aus Brooklyn sagte er: ‚Bruder, wenn es dich nicht stört, dort kommt eine große Wolke aus Glas auf uns zu, nimm meine Hand und nichts wie weg hier! Er half mir aufzustehen und wir rannten für eine Ewigkeit, ohne uns umzusehen. Er war der allerletzte, von dem ich erwartet hätte, dass er mir helfen würde.“
Das ist Usmans Geschichte. Ich wünschte, dass ich viele mehr als nur diese eine erzählen könnte. Diese Geschichte lässt mich hoffen. Zu meinem Bedauern kenne ich Geschichten, in denen meine Mitmenschen anderen gegenüber nicht auf diese Weise handeln.
Gott prophezeit uns eine Zukunft der Gemeinsamkeit. Auf Zerstörung folgt nicht direkt Zerstörung. Sondern Hoffnung.
Dass unsere Zukunft nicht mehr Unterdrückung, Schutt und Schmerz ist, sondern das Reichen einer Hand und das Wort „Bruder“. Die Vision von Völkern, die auf den Berg strömen um gemeinsam zu beten.
Das Wissen, dass Gott nicht das Land ist, sondern, dass man immer, wenn man sich mit anderen trifft, ein Stück Gott finden kann.

Dass wir aus Zerstörung Hoffnung machen müssen.





Neue Termine
- 20.06.2010 - SWR: Mit Rupert Neudeck im Kongo - Nie aufgeben
- 24.05.10 - "Zivilcourage - der Heldenmut unserer Tage"
- 27.04.10 - FH Nordhausen: Vortrag und Lesung aus „Die Kraft Afrikas“

weitere Termine...


Weisheiten

Nelson Mandela:

Wer Haß spürt,
kann nicht frei sein.

Projekte

Eröffnung der 20. GRUENHELME Schule in Drahttut in West-Afghanistan



Die 18. Schule in Malume / Afghanistan eröffnet






(c) 2003-2008 Grünhelme e.V.