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Sumatra - Banda Aceh - Pulau Kayu

Völlig zerstörtes Fischerdorf wird wieder aufgebaut - Bereits 100 Häuser fertig

Verwüstung nach dem Tsunami Donnerstag, 08.09.2005

Das Land Indonesien
Die um den Äquator gelegene Republik Indonesien mit ihren ca. 210 Mio. Einwohnern erstreckt sich mit einer Landfläche von fast 2.000.000 Km² (Deutschland 357.000 Km²) und ihren über 13.500 Inseln zwischen dem asiatischen Festland und Australien. Etwa 87 % der Bevölkerung sind Muslime, 10 % Christen und 3 % Hindus, es Existieren ca. 250 verschiedene Regionalsprachen und seit der Unabhängikeit von der Kolonialmacht Holland 1945 wird das aus dem Malayischen stammende ``Bahasa Indonesia´´ als Nationalsprache verwendet.


Die Insel Sumatra
Sumatra ist mit einer Länge von etwa 1770 und einer Breite von maximal 435 Kilometern weltweit die sechstgrösste Insel. Durch ihre Lage am Äquator ist das Klima das ganze Jahr über bei hoher Luftfeuchtigkeit mit regelmäßigen Niederschlägen und Gewittern tropisch warm. Die Temperaturen liegen zwischen 20 und 35 °C. Die Dauer des Tageslichtes beträgt das Jahr hindurch täglich ca. 13 Stunden. Im Zentrum ist die Insel von Gebirgen durchzogen deren Gipfel bis zu 3800 Meter hoch sind. Mit dem internationalen Flughafen, Universitäten und ca. 2.000.000 Einwohnern, ist Medan an der Ostküste von Sumatra die grösste Stadt der Insel.


Der Ort Pulau Kayu
Er liegt in der Provinz Ache an der Westküste Sumatras, etwa auf halber Strecke zwischen den Städten Tapaktuan (Flugplatz) und Meulaboh und ca. 500 Km oder 10 Autostunden von Medan entfernt. Pulau Kayu gehört zu der Gemeinde Susoh, welche dem Distrikt Ache Baradeya (Westache) angehört. Im Ort selber leben etwa 300 Familien, in den nahebei liegenden Dörfern Padang Baru ca. 150 und Ujung Serenga ca. 30 Familien.
Die nächst größere Stadt mit etwa 20 000 Einwohnern ist Blangpidi. Sie liegt 8 Km entfernt, dort gibt es einen Markt und diverse Geschäfte, eine Arztstation, hier ist der Sitz der Distriktregierung (Bupati) sowie der Polizei welche die Registrierung der im Distrikt befindlichen Ausländer kontrolliert. Ein neueröffnetes Internet-Café ist bereits wieder geschlossen, internationale Telefongespräche können nur bedingt nachts über das eigene Handi erfolgen.


Das Projekt
Wurde von den Grünhelmen ins Leben gerufen als diese nach der Tsunami Katastrophe vom 26.12.2004 das erste Mal mit einer Gruppe von Studenten der Universität Medan die betroffene Region erkundete. Trotz der vielen zerstörten Häuser konnten hier, bis auf ein Todesopfer, alle Menschen dem Wasser entkommen. Die Obdachlose Bevölkerung lebt zur Zeit bei Angehörigen oder in Camps von welchen das grösste in einer Sägemühle direkt im Dorf Pulau Kayu liegt. Der Umfang der neu zu errichtenden Häuser beträgt 180 für das Dorf Pulau Kayu, sie werden auf dem Gebiet des Dorfes wieder aufgebaut, zusätzlich bedürfen einige Häuser der Reparatur. Des weiteren werden auf einem zweiten, bisher unbebauten Areal 70 Häuser für das Dorf Padang Baru und 30 für das Dorf Ujung Serenga errichtet. Die Bauarbeiten sind seit Februar 2005 aktiv in gang und die fertiggestellten Häuser werden sukzessive von den Familien bezogen.


Das Baugelände ist den Grünhelmen von der Regierung zur Bebauung zugewiesen worden, es besteht ein Garantieschreiben in welchem jeder Familie ein zeitlich unbegrenztes Wohnrecht
zugesprochen wird. Jede Familie hat sich ihrerseits gegenüber den Grünhelmen in einem Vertrag zur Mithilfe am gesamten Bauprojekt und zur Zusammenarbeit mit den Grünhelmen verpflichtet.

Das Haus steht auf einer Parzelle (Unit) von 10,00m x 20,00m und hat bei Abmessungen von 5,00m x 8,00m eine Grundfläche von 40m². Hinter dem Haus liegt der offene Küchenbereich, nach Fertigstellung aller Häuser soll hier noch eine Toilette mit Schöpfdusche (Mandi) von den Bewohnern in Eigenarbeit erstellt werden.
Das Haus ist als Ständerkonstruktion hergestellt, jeder Ständer ist in einen Balkenschuh eingelassen und ruht auf einem 0,60m hohen Sahlbetonfundament in Pyramidenform. Hierdurch ergibt sich eine Distanz zwischen Gelände und Gebäudefussboden von etwa 1,00m, dies schützt das Haus vor höheren Wasserständen durch Regen und Flut. Zusätzlich ist jede Parzelle mit einem Entwässerungsgraben umzogen, welcher ein schnelles Abfließen des Wassers ermöglicht und den hohen Grundwasserspiegel absenkt.
Die Balkenlagen von Fussboden und Decke bestehen aus Längs- und Querbalken. Jeder Balken ist mit einem schrägen Blatt gekoppelt und an seinem Anlagebereich an den Ständer, einen Zentimeter in den Ständer eingelassen. Die Verbindung zwischen Ständer und Balken besteht aus je zwei durchgehenden 16mm Bolzen.
12 Kopfbänder zwischen Ständer und Balken gewährleisten eine sichere Aussteifung des Rahmens. Zur weiteren Aussteifung des Hauses werden die Wände mit zweifach vernagelter Stülpschalung verkleidet.
Der Dachstuhl besteht aus vier Nagelbindern, welche mittig mit Windrispen ausgesteift werden.
Die Dachhaut wird aus Wellzinkplatten hergestellt, welche für die Region typisch sind. Zum Schutz der Holzkonstruktion vor Schlagregen wird der Dachüberstand umlaufend mit einem Meter erstellt.
Das Haus wird nicht gedämmt da die über das Jahr gleichbleibenden Temperaturen dies überflüssig machen. Eine Be- und Entlüftung wird an verschiedenen Stellen der Konstruktion berücksichtigt im Besonderen im Dachbereich (Dachfirst, Giebelschalung)da sich die Luft unter dem Zinkdach stark aufheizen Kann.
Im Allgemeinen ist das Gebäude nicht ``dicht´´ ausgeführt so das eine Luftzirkulation jederzeit stattfinden kann, dies beeinflußt zum einen das Wohnklima positiv, zum anderen schützt es die Holzkonstruktion vor Schädlingen wie Pilzen und Insekten. Die verbauten Hölzer sind für die Region typische tropische Harthölzer, im Besonderen Damar Laut, Kruweng und Meranti.
Das Haus besitzt zwei Eingänge vorne und hinten, sowie 4 Fenster welche zum Teil in Glas und zum Teil mit einfachen Läden ausgeführt sind.


Der Ablauf
Die Grünhelme werden durch eine Studentengruppe aus Medan unterstützt. Diese erledigt zum Teil logistische Aufgaben in Medan, hilft aber auch mit meist zwei Studenten bei der Bauausführung vor Ort.
Die Mitarbeiter der Grünhelme wohnen zusammen mit den Studenten im Dorf Pulau Kayu in einem bereits fertiggestellten Haus direkt auf der Baustelle. Der Haushalt bezüglich Küche und Wäsche wird von den Frauen aus dem Camp geführt, die Kosten für Nahrungsmitten tragen die Grünhelme. Auf dem Speiseplan stehen täglich frischer Fisch, Reis Gemüse und Obst.
Für Einkauf, Transport und Fahrten zu den Behörden steht ein Pick Up zur Verfügung. Auf dem Baugelände befindet sich ein überdachter Workshop in welchem das Holz zugeschnitten wird, hier stehen auch ein Dicktenhobel und eine Tischfräse sowie ein Dieselgenerator.
In der Nähe befinden sich Lagerplätze für angeliefertes Rohholz und das abgebundene Bauholz. Zum grössten Teil wird dieses aus der Sägemühle im Ort bezogen wo sich auch ein verschließbarer Lagerraum für Material befindet. Baustoffe welche zu günstigeren Preisen und in grosser Menge in Medan eingekauft werden, können hier gelagert werden. Den kostenlosen Transport der Materialien übernahm bisher IOM (International Organisation for Migration) mit gemieteten Trucks, welche zu unbestimmten Zeiten im Konvoi die Insel überqueren.
Es sind einige Zimmerleute aus dem Dorf sowie zwei Gruppen Zimmerer von auswärts eingestellt. Die Bezahlung erfolgte zu Anfang nach Zeit, nun ist sie auf Leistung umgestellt. eingestellt.
Zusätzlich kommen nach festgelegtem Plan täglich ca. 30 Hilfskräfte aus den betroffenen Familien, welche nicht in Geld bezahlt werden da sie später ein Haus erhalten.
Es werden 6 Tage in der Woche gearbeitet, täglich 8 Stunden von 8:00Uhr bis 12:00Uhr und von 14:00Uhr bis 18:00. Freitags ist frei.
Manchmal findet Freitagvormittag ``Gotong Royong´´ (unentgeldliches, gemeinsames Arbeiten für die Gemeinschaft) statt, zu dieser Zeit werden dann Arbeiten erledigt die ansonsten liegen bleiben, aufräumen, Entwässerungsgräben ziehen, usw..
Die Arbeiter sowie die Indonesier allgemein sind sehr freundliche Menschen. Übertragene Aufgaben werden bereitwillig ausgeführt.

Die Grünhelme besitzen ein Fischerboot in Pulau Kayu welches mit Spendengeldern repariert wurde. Neben 7 gesicherten Arbeitsplätzen für die Fischer soll das über den Fang erwirtschaftete Geld als privater Kleinkredit zinslos, aber nach festem Rückzahlungsplan an die Bewohner weitergegeben werden, oder in das Projekt selbst zurückfließen.

Die Aufgaben der Grünhelme bestehen vornehmlich aus der Organisation, Verwaltung und Betreuung des Projektes. Hierzu gehören hauptsächlich die zeitliche und konstruktive Bauplanung, das verhandeln mit Behörden bezüglich Genehmigungen und Garantien, der Einkauf von Material, Werkzeug und Maschinen sowie das Aushandeln der Preise, das Anleiten der Arbeiten sowie die Qualitätskontrolle der Arbeit, die Buchführung und Lohnabrechnung.

Um in Ache tätig sein zu dürfen genügt ein bei der Einreise ausgestelltes Touristenvisum welches einen Aufenthalt von 30 Tagen erlaubt und einmal, mit Glück sogar zweimal um 14 Tage in Medan verlängert werden kann. Nach Ablauf muss die Person ausreisen und bekommt bei der Wiedereinreise problemlos ein erneutes Touristenvisa für 30 Tage.


Es besteht auch die Möglichkeit ein Social Working Visa mit 60 Tagen Gültigkeit bei einer Indonesischen Botschaft zu beantragen. Bearbeitungszeit z.B. 4 Tage in Kuala Lumpur. Vorteil ist die Einsparung von Zeit und Kosten für Transportmittel. Jeder Tag um den das Visa überzogen wird kostet 25 US$
Unabhängig vom ausgestellten Visa ist jeder ausländische Helfer verpflichtet sich am Ende eines jeden Monates erneut in der Provinzhauptstadt Banda Ache registrieren zu lassen.
Eine weitere Registrierung findet bei der örtlichen Polizei in Blangpidi statt. Diese kontrolliert manchmal die Aktualität der Personenregistrierung und der Dokumente. Auch das Militär hat Strassenkontrollpunkte eingerichtet und zeigt sich gelegentlich auf der Baustelle, es ist zufriedengestellt wenn ihm eine Kopie von Pass und Visa zukommt.
Für längere Überlandfahrten in der Provinz Ache ist ein Surat Jalan (Reiseerlaubnis) ausgestellt von der örtlichen Polizei unter Umständen nützlich.
Beim Ausfüllen von Formularen oder Anträgen kommt es nicht so sehr auf absolut wahrheitsgetreue Angaben an, vielmehr garantiert das vollständige Ausfüllen jedes Feldes und die Freundlichkeit gegenüber dem Beamten weniger Probleme und schnelle Bearbeitung. .
Kontakt oder gar Schwierigkeiten mit der Unabhängigkeitsbewegung GAM sind bisher zu
keiner Zeit aufgetreten.
Die Organisation Grünhelme selbst ist mit ihrem Projekt in Pulau Kayu bei der Unovertretung in Jakarta registriert.

Die Provinz Ache unterliegt dem islamischen Gesetz, der Scharia, welche hier allerdings längst nicht so streng ausgelegt wird wie man bei dem Wort Scharia meinen könnte. Nicht eine Frau trägt die Burka, in der Moschee wird bei Versammlungen schon einmal eine Zigarette geraucht, und selbst der Imam kann mal seine Autorität verlieren. Es ist aber trotzdem angezeigt die Religiosität der Menschen zu achten, sich in gewissem Rahmen anzupassen und besonders die Höflichkeitformen zu beachten, von denen es viele gibt und die in der entsprechenden Reiseliteratur aufgeführt sind.
Problematisch kann die Zuverlässigkeit der Arbeiter aber auch allgemein in Indonesien sein, zugesagte Termine aber auch Abmachungen werden nicht immer automatisch eingehalten. Selbst lange eingeübte Arbeitsabläufe werden mit einem Mal abgeändert. Ein Ja kann durchaus auch nein bedeuten, im Sinne von -Ja, ich kann dich verstehen aber ich sehe das ganz anders, nur will ich dich damit jetzt nicht belasten. Probleme werden selten angesprochen, auch bei mehrmaligem Nachfragen scheint alles in Ordnung zu sein, bis plötzlich nichts mehr geht.
Das Gesicht zu waren ist für alle wichtig und bedeutet einem unterlegenen oder im unrecht befindlichen einen Rückzug in Würde zu ermöglichen.
Sensibilität oder Fingerspitzengefühl können in diesem Land von Nöten sein.


Namensliste:
Thomas Just --------Teamleiter
Ronal-----------------Studentischer Helfer
Ridwan---------------Studentischer Helfer
Imam Idris Daud----islamisches Oberhaupt, Head of the Camp
Mr. Indra-------------Head of the Camp
Mr. Agus-------------Head of the Camp
Mr. Zul --------------Holzliferant

Weiterführende Links:
    -GRÜNHELME helfen Menschen in PULAU KAYU
    -Hilfe aus Deutschland erreicht Pulau Kayu
    -Langsam wächst Pulau Kayu
Wiederaufbau Erste Konstruktionen





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